Sonntag, 21.09.2014
Mein Morgen ist nicht so gut, ich habe starke Kopfschmerzen, die Ohren tun weh und ich bin völlig verquollen.Unter dem Eiswürfelbehälter habe ich ein kleines Tablett gefunden, mit dem ich mein Frühstück aufs Zimmer bringe. Das ist viel entspannter, als sich jeden morgen irgendwo dazu zu quetschen.
Gegen 10.20 Uhr starten wir Richtung Times Square. Wir hoffen beim Rush günstige Tickets für das Musical "Pippin" zu ergattern. Ich stelle mich in die Schlange vor der Kasse, die Tickets gibt es erst um 12.00 Uhr (Sonntags ist der Rush zwei Stunden später). Steffen besucht inzwischen den Broadway Flohmarkt in der Parallelstraße. Plötzlich werden Wartenummern verteilt und zwar nur für jeden eine. Pro Person darf man auch nur ein Ticket kaufen, nicht zwei wie sonst meist üblich (jedes Theater handhabt seinen Rush oder seine Lotterie anders). Für Steffen kann ich keine Nummer bekommen. Es gibt 30 Tickets und es stehen erst 25 Interessenten in der Schlange. Mein Versuch Steffen telefonisch übers Handy zu erreichen schlägt fehl, weil wir die Nummer seiner amerikanischen Handykarte falsch notiert haben. Inzwischen ist es sehr schwül, meine Laune sinkt sekündlich bis ins bodenlose. Die letzten Wartenummern werden verteilt.
Steffen kommt wie verabredet um kurz vor zwölf zurück. Leider zu spät für eine Wartenummer. Wir könnten nur ein einzelnes Ticket kaufen und das hilft uns nicht weiter. Jetzt können wir nur auf eine Lotterie für die Matinee hoffen (diese finden immer 2 Stunden vor Beginn einer Aufführung statt). Auf zum Theater von "If/then". Wir schreiben jeder unseren Namen auf ein Los, außerdem kann man ankreuzen ob man ein oder zwei Tickets möchte. Um 12.30 Uhr werden dann 30 vergünstigte Tickets verlost, aber unsere Namen werden nicht gezogen. Schnell weiter zum Theater von "Kinky Boots". Wieder füllen wir die Lose aus. Ich schreibe immer dazu "from Berlin/Germany", falls ich beim Vorlesen meinen Namen nicht verstehen kann (das alte Problem). Wer sich nach drei mal aufrufen nicht meldet verliert nämlich seinen Anspruch auf die Tickets.
Diesmal klappt es! Mein Name wird aufgerufen, somit können wir zwei Tickets für je $37 für die Nachmittagsvorstellung kaufen. Die Plätze haben oft eingeschränkte Sicht ("partial view") und sind meist nicht regulär zu kaufen. Außerdem gibt es hier einen Ansteck-Button mit "I won the Kinky Boots Lotterie" Aufdruck dazu. An vielen Theaterkassen kann man die Rush- oder Lotterietickets nur bar zahlen. Man sollte also immer genug Cash dabei haben.
Der Lotteriegewinn hat mich besänftigt und meine Laune ist wieder im grünen Bereich. Schließlich haben wir den ganzen Vormittag damit zugebracht, günstige Tickets zu bekommen. Glücklicherweise hat es geklappt und es ist doch nochmal deutlich günstiger als an der TKTS Bude, die ja auch schon (bis zu 50%) reduzierte Preise bietet.
Jetzt brauchen wir noch Mittagessen. Die Entscheidung fällt für den Burger Bräter Five Guys. Auf dem Weg dahin sehen wir eine große Umweltschutz Demo, den "People's Climate March". Später erfahren wir, daß laut Times Magazin 400.000 Demonstranten dabei waren. Von Berlin sind wir es gewohnt, daß bei Demos der Verkehr gestoppt wird. Hier ist es etwas anders. Die Demonstranten werden quasi schwungweise über die kreuzenden Hauptverkehrsstraßen bugsiert, so daß die Demo regelmäßig anhalten muß, um den Verkehr durchzulassen.
| Der People's Climate March zieht... |
| ... durch die 42. Straße. |
| Viele unterschiedliche Gruppen sind dabei. |
Obwohl man hier bei den Softdrinks "free refills" hat, man also mit seinem Becher so oft zum Automaten gehen und nachfüllen kann wie man möchte, werden zwei verschiedene Getränkegrößen angeboten. Und viele Kunden zahlen auch den höheren Preis für den größeren Becher. Vielleicht weil sie dann mehr Getränk mit auf die Straße nehmen können? Oder aus Faulheit? Keine Ahnung.
Um 15.00 Uhr geht es los mit "Kinky Boots". Wir kennen die Geschichte aus dem gleichnamigen Film, den wir vor einigen Jahren auf dem Emder Filmfest gesehen haben und freuen uns schon sehr. Unsere Plätze sind in der "Box", also auf dem Balkon links auf der Seite. Wir haben Hochstühle in unterschiedlichen Höhen, damit wir gut sehen können und sind mit unseren Plätzen sehr zufrieden. Da wieder Kühlregaltemperaturen herrschen ziehen wir alles an, was wir dabei haben. Um 17.30 Uhr fällt der Vorhang und ich bin wieder mit diesem Tag versöhnt.
Fürs Abendprogramm würden wir gerne in einen Comedyclub gehen, aber der Comedy Cellar, den wir schon von einem früheren New York Aufenthalt kennen, ist für heute Abend leider schon ausgebucht.
Zum Abendessen haben wir uns für die Brasserie Les Halles von Anthony Bourdain entschieden. Es ist ein gutes Stück zu laufen, aber wir haben online reserviert und machen uns auf die Socken. Unterwegs läßt sich Steffen am Times Square von einem jungen Ticketverkäufer ausführlich zu Comedy Shows beraten um herauszubekommen, was es für lohnenswerte Alternativen zum Comedy Cellar gibt. Als wir ohne Tickets zu kaufen wieder abziehen ist er sichtlich enttäuscht und macht uns ganz verzweifelt Sonderpreise. Die Verkäufer leben von Provisionen und es ist ein hartes Geschäft. Aber die Tickets die er anbietet sind nur generelle Voucher, mit denen man keinen Anspruch auf eine bestimmte Vorstellung hat und wir wissen nicht, ob wir nach dem Essen überhaupt noch rechtzeitig in einen Comedy Club kommen würden.
Wir erreichen unser Restaurant. Bereits 2012 haben im Les Halles gegessen, allerdings am zweiten Standort in Downtown, heute sind wir in der Park Avenue. Es wird französisch gekocht und ist somit für Vegetarier im Grunde nicht geeignet. Da ich im Urlaub aber auch Ausnahmen mache, damit wir beide entspannt etwas zu Essen bekommen, ist es kein Problem. Steffen schwärmt schon seit 2012 von dem butterzarten Steak, das er dort gegessen hat, jetzt soll ein zweites folgen. Ich entscheide mich für Jacobsmuscheln und als Vorspeise teilen wir uns eine Zwiebelsuppe, die in unserer Top 10 Liste jemals gegessener Mahlzeiten aufgenommen wird, so köstlich ist sie und jeden ihrer 10 Dollar wert. Da wir auf zusätzliche Getränke verzichten und uns mit dem Tap Water (das hier nicht den sonst üblichen Chlorgeschmack hat) begnügen, sind wir am Ende mit $70 dabei.
Wie in den USA üblich sind wir schnell mit dem Essen fertig und erhalten die Rechnung. Jetzt reicht die Zeit doch noch, um eine 20.00 Uhr Comedy Show zu sehen. Wir laufen flott ein paar Blocks weiter zum Comedy Club "The Stand". Im Erdgeschoß ist eine Bar, der Club ist im Keller. Hier ist die Vorstellung nicht ausverkauft, daher bekommen wir gute Plätze und haben einen spaßigen Abend. Am besten ist der Host, seine 6 Gäste, die uns zu unterschiedlichen Themen unterhalten, sind nicht alle ein Knaller, aber der Abend hat sich gelohnt. Zwar konnten wir nicht allen Witzen folgen, aber damit war zu rechnen. Für Eintritt und Getränke, 1 Bier und 1 Cider zahlen wir $50.
Um 22.30 Uhr sind wir wieder im Hotel, machen noch die Musical Rush- und Lotterieplanung für die nächsten Tage (was, wann und wo) und schließlich um 23.30 Uhr die Augen zu.