Sonntag, 07.09.2014
Endlich geht es los. Wir konnten wieder am Vorabend unser Gepäck einchecken, so verläuft unser Morgen ganz entspannt, der Flug startet um 10 Uhr. Wir fliegen 9 Stunden von Berlin nach Chicago. Der Flug ist ruhig, nur ein etwas verwirrter älterer Fluggast, ich tippe auf Inder oder Pakistani, wandert fast die gesamte Zeit durch die Maschine. Die Crew kann sich nicht mit ihm verständigen und bittet Mitpassagiere um Hilfe. Ein Reisender fängt ihn regelmäßig wieder ein, aber ob die beiden gemeinsam reisen erschließt sich uns nicht. Später versucht der verwirrte Mann mit eindeutigen Gesten bei mir eine Zigarette zu schnorren, da ist er an der falschen Adresse. Uns fallen auch die Sparmaßnahmen bei Air Berlin auf: es gibt keine Zeitschriften mehr und, sehr bedauerlich, auch keine Lindt Schokoherzen beim Ausstieg.Nach der Landung gegen 12.30 Uhr Ortszeit geht es zur humorbefreiten Zone: Homeland Security. Auch hier hat der Fortschritt Einzug gehalten: US Bürger, Kanadier und Ausländer, die schon mal mit ESTA eingereist sind, dürfen sich selber am "Automated Passport Control", das sind kleine Selbstbedienungs-Terminals, erkennungsdienstlich behandeln. Wir geben dort unsere Fingerabdrücke ab, fotografieren uns und beantworten via Touchscreen einige Fragen. Danach müssen wir nur noch die ausgedruckte Quittung abgeben. Freundlicher sind die Beamten nicht geworden, aber es geht viel schneller.
Der Flughafen O’Hare liegt nordwestlich des Stadtzentrums von Chicago und gilt vom Passagieraufkommen als weltweit zweitgrößter Flughafen (nach Atlanta/Georgia). Wir sammeln unser Gepäck ein und sind etwas irritiert, wie rücksichtslos die Koffer vom Gepäckband behandelt werden (ein Mitarbeiter steht oben am Band, da es ständig stockt).
Dann fahren wir mit den Airport Transit System (ATS) zum Terminal 2 und steigen dort in die U-Bahn um. Die Tickets kosten $5 pro Person (davon $2 Flughafenzuschlag, der nur bei Fahrten von O'Hare erhoben wird, zurück kommt man für die regulären $3). Es ist viel billiger als mit Bus oder Taxi und dabei noch schneller, denn wir stehen nicht im Stau. Die Bahn ist zum Teil oberirdisch unterwegs und wir bestaunen die elektrischen Leitungen in den Wohnvierteln. Alle Stromleitungen sind oberirdisch und zum Teil abenteuerlich verlegt. Kein Wunder, daß es hier nach einem Sturm oft tagelang keinen Strom gibt.
In der Innenstadt müssen wir von der blauen in die rote Linie umsteigen. Leider erwischen wir einen Expresszug, der nicht überall hält und müssen an unserem Zielbahnhof vorbei fahren, ohne aussteigen zu können. Wir steigen am ersten Halt aus und nehmen die nächste Bahn zurück. Da wir das System mit den Expresszügen noch nicht durchschauen sind wir nicht sicher ob wir diesmal an unserer Station halten werden, aber wir haben Glück. Wir steigen an der richtigen Station aus und laufen zum Hotel. Leider hat meine Reisetasche (durch das ruppige Gepäckband oder ist es einfach Materialermüdung?) einen schweren Schaden. Ein Rad bricht zur Seite weg und die Tasche schleift auf einer Seite nur noch über den Boden. Das macht jetzt keinen Spaß, aber mit Hilfe von Google Maps auf Steffens Smartphone finden wir unser Hotel und beziehen gegen 15.00 Uhr unser Zimmer im Millennium Knickerbocker Hotel.
Das Zimmer liegt im 7. Stock und hat leider keinen Seeblick. Freies WLan gibt es nur in der Lobby, Frühstück ist auch nicht inklusive. Aber die Lage ist sehr gut, wir liegen an einer Querstraße am Ende der Magnificent Mile (zählt zu den berühmtesten Einkaufsmeilen der Welt) und der Lake Michigan ist am Ende unserer Straße schon zu sehen. Für 4 Nächte zahlen wir 420 Euro.
Die Neugierde treibt mich einen Blick in die Minibar zu werfen. Es gibt ein breites Angebot: Neben Getränken und Knabberkram (114g Nüsse für $12, 375ml Pinot Noir für $24), einer Zahnbürste für $6 und Zahnpasta für $4 gibt es auch Kondome und Gleitgel für $6.
Nachdem wir uns etwas eingerichtet haben machen wir einen Spaziergang zum Navy Pier. Das Wetter ist toll. Nach ca. 500 Meter sind wir schon am Lake Michigan. Wir unterqueren eine 8 spurige Straße und sind am Ufer. Es ist unglaublich, dieser Blick! Man glaubt, man ist am Meer. Wir sehen viele Boote und Yachten, zum Teil mit wildem Partytreiben. Außerdem einige Schwimmer und auch Waverunner. Das Wasser ist völlig klar.
| Boote auf dem Lake Michigan |
| Strandgetümmel |
| Wasserspiele am... |
| ...und im Navy Pier |
Wir bummeln weiter auf der Magnificent Mile, sie gehört zu den teuersten Einkaufsstraße der Welt. Es gibt Polizei an jeder Ecke und viele "homeless people", die betteln. Es sind keine Penner, Alkis oder Fixer sondern Leute, die Haus und Job verloren haben. Auch Mütter mit Kindern oder Schwangere sehen wir. Es wird bei uns ja viel über Hartz IV gemeckert und sicher auch zu recht, aber für diese Leute wäre es ein Segen. Und es wimmelt von schönen, sehr schlanken und teuer angezogenen Menschen. An japanischen Jugendlichen sichte ich Adiletten. Sollten die wieder "in" sein?
Gegen 19.30 Uhr sind wir wieder im Hotel und ziemlich k.o. In Deutschland ist es jetzt 2.30 Uhr nachts. Gegen 20.30 Uhr schlafen wir ein.